HEILUNG DURCH DIE GEMEINSCHAFT
Mein Name ist Markus, ich bin 42 Jahre alt und lebe seit sechs Jahren in der Gemeinschaft Cenacolo.
Eingetreten bin ich wegen meiner Alkoholabhängigkeit, denn über mehr als zehn Jahre war ich ein „Spiegeltrinker“: Nach außen wirkte ich stark, fröhlich und leistungsfähig, innerlich war ich jedoch leer, sozial isoliert und von Scham geprägt. Mein Leben bestand aus Lügen, Masken und tiefer Einsamkeit.
Ich stamme aus einer katholischen Familie und empfing mit 14 Jahren das Sakrament der Firmung. Im selben Alter lernte ich beim Jugendfestival in Medjugorje die Gemeinschaft Cenacolo kennen. Damals hätte ich niemals gedacht, dass ich eines Tages selbst ihre Hilfe brauchen würde. Trotz meiner inneren Kämpfe blieb ich der Kirche und einigen geistlichen Gemeinschaften verbunden. Oft war mein Glaube jedoch eher Gewohnheit als lebendige Beziehung.
Als meine eigenen Versuche, mit dem Trinken aufzuhören, wieder scheiterten, gaben meine Familie und ein befreundeter Priester die Hoffnung nicht auf. 2019 trat ich schließlich in unser Haus in Kleinfrauenhaid ein – ein Schritt, der mein Leben grundlegend veränderte. Anfangs war ich innerlich verschlossen; ich konnte kaum beten und machte Gott sogar für mein Lebensumstände verantwortlich. Mit der Zeit erkannte ich, dass ich selbst Verantwortung für mein Leben tragen musste.
Nach Jahren der Einsamkeit wurde die Struktur der Gemeinschaft für mich ein fester Halt. Das Gebet wurde zu meiner Heilung und veränderte mich Schritt für Schritt. Die Kapelle ist für mich ein Ort des Friedens, an dem ich Gottes Nähe wie eine Umarmung erfahre und lerne, mich selbst wieder gern zu haben.
Meine Mitbrüder nahmen mich mit viel Liebe und Geduld auf. Sie halfen mir, mich selbst zu verstehen und zu akzeptieren. Diese Akzeptanz war der Schlüssel zu einer tiefen Versöhnung. Durch die regelmäßige Beichte konnte ich Frieden mit meiner Vergangenheit schließen und mich wieder der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen – besonders in der täglichen eucharistischen Anbetung.
Immer wieder staune ich auch über die konkrete Vorsehung Gottes in unserem Alltag. Durch die Begleitung der Priester, die uns geistlich führen, durch Menschen, die uns Lebensmittel bringen, und viele kleine Zeichen der Fürsorge erfahren wir, dass uns hier nichts fehlt. Diese Erfahrung stärkt mein Vertrauen, dass Gott sich um uns kümmert – oft auf ganz einfache, aber sehr konkrete Weise.
Heute ist es für mich ein Geschenk, noch immer hier sein zu dürfen und jeden Tag neu zu lernen. Nach einigen Jahren in Österreich kam ich in unser Mutterhaus nach Saluzzo und verbrachte dort Zeit in verschiedenen Häusern in Italien. Dort konnte ich die Gemeinschaft in ihrem Ursprung kennenlernen, meine Italienischkenntnisse verbessern und Verantwortung übernehmen – und dabei wurde mir bewusst, wie groß und schön unsere internationale Familie wirklich ist.
Ein besonderes Geschenk ist es für mich, wieder nach Kleinfrauenhaid zurückgekehrt zu sein, wo alles begann. Unser Haus ist ein lebendiger Ort. Viele Besucher kommen zu uns, besonders Firmgruppen und junge Menschen, die wir empfangen dürfen. Es ist für mich eine große Freude, ihnen unser Leben zu zeigen und Zeugnis zu geben von dem neuen Leben, das wir erfahren durften.
In diesen Begegnungen spüre ich, wie Gott nicht nur in uns wirkt, sondern auch durch uns. Eine große Freude ist es auch, dass wir immer wieder Besuch von ehemaligen Burschen und Mädchen bekommen, die einmal in der Gemeinschaft waren. Das gibt mir Hoffnung und Vertrauen für die Zukunft.
Hier bin ich nun für die jungen Burschen da, und sie sind es auch für mich. Das gemeinsame Leben als Brüder fordert mich jeden Tag neu. Zugleich erfahre ich im Zusammenleben und im Vertrauen auf Gott, dass ich nicht allein kämpfen muss. Im Gebet und in der brüderlichen Gemeinschaft finde ich die Kraft, mein Kreuz anzunehmen und im Glauben zu wachsen.
Besonders dankbar bin ich für Mutter Elvira. Ihr Zeugnis eines einfachen und wahrhaftigen Lebens im Glauben ist bis heute ein Licht für uns alle. Sie sprach oft davon, frei zu leben – ohne „Masken“, in der Wahrheit und im Glauben. Diese Haltung prägt unseren Weg: Sie ermutigt uns, uns unserer Vergangenheit zu stellen, Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen und einander in Liebe zu begegnen – auch ich lerne dabei, mich meiner Vergangenheit zu stellen, in der ich meine Verantwortung nicht wahrgenommen, Menschen verletzt habe und selbst verletzt wurde.
Wir lernen, andere zu achten und Nächstenliebe konkret zu leben. Mutter Elvira rief uns dazu auf, den Weg der Liebe und des Dienens zu gehen – bereit, auch Unbequemes anzunehmen, um für den Nächsten wirklich da zu sein.
Heute schaue ich mit Dankbarkeit auf meinen bisherigen Weg in der Gemeinschaft. Ich erlebe, wie ein Leben in Liebe und Glauben neu wachsen kann. Schon immer war es mein Wunsch, für junge Menschen da zu sein, sie zu begleiten und ihnen die Hoffnung weiterzugeben, die auch mir geschenkt wurde. Deshalb habe ich mich auch stets entschieden, ein wenig länger in der Gemeinschaft zu bleiben.
Die Gemeinschaft Cenacolo ist für mich ein Ort, an dem Heilung, Freundschaft und Gottes Nähe täglich erfahrbar sind – und an dem ich immer neu lernen und wachsen darf.









