
MEIN WEG MIT DER GEMEINSCHAFT CENACOLO
Jedes Jahr entsendet das Priesterseminar von Madrid mehrere Seminaristen in verschiedene Bruderschaften der Gemeinschaft Cenacolo – ein wertvoller Bestandteil der menschlichen und pastoralen Ausbildung zukünftiger Priester unserer Diözese.
Dieses Jahr waren wir sieben Seminaristen, die diese Erfahrung machen durften. Ich selbst wurde in die Bruderschaft in Österreich gesandt.
Vierzig Tage lang lebte ich mit den Brüdern unter einem Dach. In dieser Zeit durfte ich das Charisma der Gemeinschaft Cenacolo von innen heraus erfahren und die drei tragenden Säulen ihres Lebensstils miterleben: Gebet, Arbeit und Freundschaft.
Es war ein großes Geschenk des Herrn, in einem Haus leben zu dürfen wo wirklich Christus im Mittelpunkt steht. In allem wurde spürbar, dass nur einer wirklich verwandelt, erlöst und heilt: Jesus Christus, gegenwärtig in seiner Kirche.
Die tägliche eucharistische Anbetung, das gemeinsame Rosenkranzgebet, die Danksagung am Ende jeden Tages – sie strukturieren das Leben und geben ihm Tiefe. Zugleich prägt eine anspruchsvolle Arbeitshaltung den Alltag: Disziplin, Ordnung und körperliche Anstrengung– all das formt zusammen mit dem Gebet den Charakter. Es ist eine Schule der Tugenden, die ehemals abhängige Menschen zu aufrechten, starken Männern heranwachsen lässt.
Doch ohne Brüderlichkeit wäre all dies nicht möglich. Es ist die gelebte Freundschaft – ehrlich, konkret, verlässlich – die wie ein innerer Motor die Gemeinschaft zusammenhält. Eine Freundschaft, die es ermöglicht, in der Wahrheit zu leben – vor Gott und voreinander.
Diese Erfahrung hat mir tiefe Einblicke geschenkt: In ganz konkreten Lebensgeschichten durfte ich sehen, wie groß die Barmherzigkeit Gottes ist. Jeder einzelne dieser jungen Männer hat eine bewegende Geschichte – und ist ein lebendiges Zeugnis der grenzenlosen Liebe, die Gott für jedes seiner Kinder hat.
Die Gemeinschaft Cenacolo, die seit über vierzig Jahren das Leben so vieler junger Menschen verwandelt hat, hat auch in meinem Leben Spuren hinterlassen – in mir, einem jungen Mann, der, so Gott will, eines Tages als Priester viele Menschen auf ihrem Weg begleiten darf. Viele von ihnen werden ein „Cenacolo“ brauchen – einen Ort der Hoffnung, der Wahrheit, der Heilung.
Ich danke Gott und der ganzen Gemeinschaft Cenacolo von Herzen für diese vierzig Tage der Gnade.